Montag, 15. März 2010

Mit Toleranz wird gar nichts gut

Wenn man die Leserbriefe im Reutlinger General-Anzeiger vom 13.03.10 liest, fragt man sich, ob der GEA in Sachen "Dialog" wirklich neutral ist.

Ganz oben bei den Leserbriefen in der Druckausgabe des GEA vom 13.03.10 finden wir den Leserbrief eines Herrn Mesut Demirezen, der sich darüber auslässt, wie Christen aus einer Freikirche die Dialogveranstaltungen torpedieren, keine Gesprächskultur haben und nichts von Nächstenliebe verstehen. Lesen Sie: „Auch unter Christen extreme Strömungen“.

Darunter kommt, als wolle man damit Neutralität beweisen, ein bereits vor drei Wochen abgesandter Leserbrief des früheren Pfarrers der Christuskirche, Ernst-Ullrich Schmidt. „Klarheit über ideologisch-politischen Hintergrund“, den er als Antwort auf den Leserbrief von M. Stelzle vom 20.02.10 verfasst hatte.

Ganz deutlich wird von Herrn Pfarrer Schmidt nach den Hintergrund-Aktivitäten der Türkischen Gemeinschaft Org. RT e.V. in der Gminderstraße (neben der Christuskirche) gefragt. Er weist in diesem Zusammenhang auf die Verbindung dieses Vereins zur türkischen extrem-nationalistischen, antisemitischen MHP-Partei, bzw. der Grauen Wölfe hin.

Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Unterzeichner des obigen, bereits erwähnten Leserbriefes, Herr Demirezen, der Sprecher genau dieses Vereins TGO e.V. ist, obwohl er sich hier als außenstehender Beobachter des Dialogs und neutraler Leserbriefschreiber ausgibt. (Homepage der TGO e.V.)

Loben muss man den GEA dafür, dass auf Seite 3 ein groß aufgemachtes Interview mit der Islamkritikerin Necla Kelek erscheint. „Mit Toleranz wird gar nichts gut“ Echt lesenswert!

Kommentare:

Marti hat gesagt…

Die ganze Berichterstattung im Reutlinger Generalanzeiger zeigt, dass es in Deutschland zunehmend ein linksdominiertes Medienkartell gibt.

Der GEA gehört dabei noch zu den Zeitungen, in denen noch eher mal bürgerlich-konservative Stimmen zu Wort kommen.

Dass der GEA dabei aber schon ziemlich links ist, zeigt, wo wir bereits angekommen sind.

Der Marsch der 68er und ihrer Zöglinge durch die Insitutionen ist über weite Strecken am Ziel angelangt.

Was nicht ins Weltbild der 68er passt, wird als "rechts", "christlich-fundamentalistisch" oder auch, wenn es um den Islam geht, als "rassistisch" und "islamophob" verunglimpft.

Weite Teile der beiden Amtskirchen sind dem Geist der 68er erlegen: dort geht es nicht mehr um die christliche Botschaft sondern um linke Weltverbesserung.

Dass diese linke Weltverbesserung zu den größten Massenmorden der Geschichte geführt hat, (Nach Gunnar Heinsohn ist die Rangfolge der größten Massenmörder der Geschichte 1. Mao, 2. Stalin, 3. Hitler, 4. Lenin) wird geflissentlich verschwiegen.

Dazu kommt die wirtschaftliche und spirituelle Verelendung der kommunistisch regierten Weltgegenden.

Die deutschen Intellektuellen haben bei der Abwehr von Nationalsozialismus und Kommunismus völlig versagt.

Bei der Abwehr des dritten Totalitarismus, des Islamismus, verhalten sie sich nicht besser, ganz im Gegenteil, sie werden sie sogar zu Förderern und Wegbereitern der neuen Barbarei!

gorisnet hat gesagt…

Also Marti, was ist denn das für ein Quatsch. Wieso müssen jetzt die Linken herhalten für eine naive (Kirchen-)Politik gegenüber dem Islam. Nein, nein, so geht das nicht. Bitte hier keine Nebenkriegsschauplätze eröffnen, sonst müssten wir ja auch über die jahrzehntelange Unterstützung islamistischer Gruppen durch die CIA sprechen. Also: jetzt zurück zum Thema. Es geht doch darum, dass anscheinend die Kirchen in Reutlingen nicht wagen, extremistischen Islam- und Moscheevereinen das Vertrauen zu entziehen. Nein, vielmehr verbündet man sich mit den "Grauen Wölfen" gegen Kritiker (die aus diversen Kirchengemeinden Reutlingens stammen!!!) und macht sich damit zum Handlanger faschistischer Extremisten. Ich wette, die Wolfspartei MHP in der Türkei glaubt ihren Reutlinger Bodentruppen kein Wort von dem, was derzeit in die Türkei berichtet wird. Es ist ja auch, angesichts der den Grauen Wölfen zugeschriebenen Politmorde, zu kurios.

chubez hat gesagt…

@ Marti - was fängst du hier eigentlich an, von Linken zu reden? Ist doch gar nich Thema hier. Der GEA ist auch nicht links. Wusstest du dass der eine Chefredakteur gläubiger Christ ist? Unser Problem sind doch die Kirchen-Herren, denen es meiner Ansicht nach um ihren Ruf, ihr Ansehen und Prestige geht. Sie brauchen, glaube ich, nach langjährigem ereignislosem Kirchendienst ein bisschen Action und Trubel. Vielleicht denken die, mit dem Islam kuscheln und Religionsvermischung betreiben - da kommt Rummel in die Bude und ihre Namen kommen wieder in die Medien. Außerdem tut es gut, den ungeliebten evangelikalen Freikirchen eins auszuwischen. Manche von den Kirchen-Pharisäern sind doch so vernebelt, die wissen doch gar nicht wo (was) links und rechts ist.

Marti hat gesagt…

Hallo Ihr beiden Gorisnet und Chubez,

natürlich hast Du recht mit dem, was Du über rechtsradikalen Moscheevereine sagst, Gorisnet, aber ich fürchte das Problem sitzt wesentlich tiefer.

Wenn man über bestimmte Dinge nachdenkt, tut man das für gewöhnlich mit Wörtern und Begiffen, die man im eigenen geistigen Umfeld vorgefunden hat und macht sich wenig Gedanken darüber. Man gebraucht sie sozusagen instinktiv richtig, genauso wie man "instinktiv" die Grammatik der eigene Muttersprache richtig gebraucht.

Wer sich nie mit Grammatik auseinandergesetzt hat, weiß überhaupt nicht, nach welchen Regeln das funktioniert, man macht es einfach nach Gefühl richtig.

Mit Wörtern und Begiffen ist es ganz ähnlich. Im akademischen Milieu werden zwar von Zeit zu Zeit bestimmte Wörter und Begiffe "dekonstruiert", man spricht dann beispielsweise von der "Erfindung" von Nationen oder anderer komplexer Begriffe, aber das Ganze ist ein schwieriges Unterfangen und wird meist nur auf wenige Begriffe angewandt.

Man dekonstuiert beipielsweise "Orient" oder "Islam" ("den Islam gibt es nicht", "Orient ist eine bestimmte Konstuktion des Fremden", man beschäftige sich mit Edward Said und seinem "Orientalism"), aber Begriffe wie "links" und "rechts" oder gar "Nazi" dekonstruiert man nicht, schließlich braucht man sie ja für die eigene Identität, man gehört ja zu den Guten weil man "links" und kein "Nazi" ist.

Begriff wie "links" und "rechts" sind aber keineswegs klar deiniert und gerade diese beiden Begriffe haben sich seit den 70er Jahren sehr stark gewandelt.

Heute gilt vieles als "rechts", was vor 30 oder 40 Jahren "links" war. Universalismen, etwa Menschen- oder Frauenrechte, waren damals "links", heute gilt jeder Universalismus als "kolonialistisch"/"imperialistisch" und damit als "rechts".

Was heute Mainstream ist, ist über ganz weite Strecken das, was die damals "linken" 68er meinten und dachten. Nur gilt das heute nicht mehr als "links", weil man es für "Fortschritt"/"Aufgeklärtheit" und normal hält, dass alle Stück für Stück das übernehmen, was damals die 68er dachten.

Teil der Übernahme des Denkens der 68er ist die Umdefinition vieler Begriffe und zwar in verschiedene Richtungen.

"Links" ist dabei über weite Strecken synonym mit "gut" geworden, schließlich gehörten die 68er ja nach ihrer eigene Auffassung ganz klar zu den Guten.

Die Umdefinition hat weite Teile der Akademiker erfasst und damit auch die Pfarrer, die ja allesamt Theologie studiert haben.

Mit den neuen, umdefinierten Begriffen konstituiert sich ein ganz bestimmtes, neues Weltbild, ohne dass es den meisten bewusst ist.

In diesem Weltbild ist beispielsweise Toleranz eine der höchsten Tugenden. Das zeigt sich auch im Bild der Pfarrer vom Islam oder auch im Weltbild der meisten Journalisten, die über den Islam berichten.

Ebenfalls sieht man das an den journalitischen Richtlinien im Umgang mit den Nennung von ethnischen Hintergründen von Straftätern etc.

All das ist aber den entsprechenden Leute so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie gar nicht mehr bemerken, wie speziell das ganze ist. Sie halten ihr Weltbild einfach für die Wirklichkeit.

Alles, was ich hier gesagt habe, ist notwendigerweise verkürzt, ich freue mich aber über weitere Diskussionen.

Liebe Grüße

Marti

Marti hat gesagt…

Wie das Spiel mit der Umdefinition funktioniert, kann man beispielsweise am Begriff „Gleichheit“ zeigen.

Die „Gleichheit“ in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ der französischen Revolution wurde lange Zeit ganz überwiegend als Ruf nach Rechtsgleichheit aller Staatsbürger aufgefasst. Der Kampf ging also um die Abschaffung von rechtlichen Privilegien und Benachteiligungen.

Irgendwann ist man dann aber für viele unbewusst zu „Gleichstellung“ übergegangen. Dahinter steht die Annahme, dass alle Menschengruppen von ihren Talenten und Fähigkeiten und ihrem Willen, diese auch zu gebrauchen, gleich sind. Tatsächliche Ungleichheit wird so gleichsetzt mit Diskiminierung.

Die Durchsetzung von „Gleichheit“ bedeutet damit nicht mehr gleiche Rechte für alle, sondern die Privilegierung bestimmer Gruppen, also das genaue Gegenteil dessen, was man vorher unter „Gleichheit“ verstand.

Jeder, der von einer tatsächlichen Ungleichheit von Menschengruppen ausgeht, wird dann ganz schnell zum „Faschisten oder „Nazi“ erklärt. Über abweichende Auffassungen darf man auch gar nicht diskutieren, denn „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“.

Ich hoffe, das illustriert, was ich meine.