Donnerstag, 25. März 2010

"Alles nicht so schlimm"

Vortrag im Matthäus-Alber-Haus am 22.03.10 mit dem Thema: "Das islamische Erwachen" - von Gerhard Simpfendörfer, Dekan i.R.

Der Vortrag beginnt seriös und vielversprechend. Simpfendörfer empfiehlt Literatur zum Thema, (Huntington, Bassam Tibi, Küng).

Simpfendörfer spricht von einer Reformbewegung des Islam, die in den letzten Jahren eingesetzt habe. Es sei eine Reinigung und eine Auseinandersetzung mit dem Westen.

Simpfendörfer begründet den Drang des Islam, zurück zu den Ursprüngen zu streben, in der jahrelangen Demütigung, die der Islam vom Westen erfahren habe. Im 20. Jahrhundert vor allem seien den Muslimen große Kränkungen widerfahren, die jetzt in großer Wut ihren Ausdruck finden.

Diese Demütigung sei mit der Demütigung der Deutschen durch den Versailler Vertrag zu vergleichen, was letztlich dann auch zum 2. Weltkrieg geführt habe.

Simpfendörfer zitiert Bernard Lewis, der die Errungenschaften des Islam, zum Beispiel die Vermittlung der Schriften von Aristoteles an die westliche Welt, preist.

Der Islam bemerkte nicht die geistigen Umwälzungen, die in Europa stattfanden, betont Simpfendörfer. Aber man sah die Fortschritte und die technischen und wirtschaftlichen Erfolge. Die islamischen Länder wollten sich die Verwestlichung auch zu Eigen machen, aber das konnte nicht funktionieren, da die geistigen Voraussetzungen der Aufklärung, wie in Europa, nicht vorhanden waren. Die Verwestlichung war in den islamischen Ländern höchstens eine Kopie.

In vielen Ländern wurde versucht, den fundamentalistischen Islam, die Religion als solche, ja sogar das Kalifat (Atatürk in der Türkei) abzuschaffen, was als große Demütigung empfunden wurde.

Eine weitere Demütigung entstand durch die Zerschlagung des Osmanischen Reiches im 20. Jahrhundert, wo im Nahen Osten durch Einrichtung von Protektoraten, Mandaten und Kolonien und Ziehung willkürlicher neuer Grenzen neue Länder entstanden waren.

Die wohl schlimmste Demütigung war für die religiösen Islamführer die Entstehung des Staates Israel auf islamisch beanspruchtem Herrschaftsgebiet und der mehrmalige Sieg der israelischen Armee über die vereinten arabischen Streitkräfte.

Weitere Niederlagen haben, so Simpfendörfer, die Wut erhöht: der vom Westen inszenierte Golfkrieg und der Fall Bagdads (Bassam Tibi).

Man müsse verstehen, dass all diese Demütigungen die Antriebskraft für jeden Selbstmordattentäter waren und sind.

Die antiwestliche Wende im Islam entstand somit aus der Tiefe der Religion und hatte als Kernsatz eine Art Buße zur Folge, denn man hatte durch die Bestrebungen der Verwestlichung des Islam die Reinheit der Religion verraten, so Simpfendörfer. „Islamismus ist somit nichts anderes als eine Bußbewegung!“

Simpfendörfer hält fest: das Auseinanderklaffen der Weltbilder Islam und Westen begründet sich so: Für Muslime ist die Einhaltung des Gesetzes (des Koran) das höchste Lebensprinzip, für den Westen ist die Freiheit das höchste Lebensprinzip.

Im Mittelpunkt des Regelwerks Islam steht die Familie, so Simpfendörfer, und ist damit das höchste Gut, das es zu bewahren und zu schützen gilt. Daher werden die Geschlechtertrennung strikt eingehalten und Ehebruch als eine der schlimmsten Vergehen angesehen und drastisch (Steinigung) geahndet. Keuschheit ist oberstes Gebot. Die Strenge der Sharia verhindert Straftaten und Sünde und dient der Abschreckung.

Simpfendörfer erwähnt Said Qutb, der als ägyptischer Lehrer bei einem Aufenthalt in den USA den Muslimen in seiner Heimat das Gefühl der moralischen Überlegenheit beibrachte, indem er die Dekadenz, sexuelle Promiskuität und den moralischen Verfall des Westens anprangerte und seine Abscheu darüber in den Aufbau und Prägung extremistischer und islamistischer Gruppierungen umsetzte.

Der moralische Verfall, die Verführung und die militärische Übermacht des Westens (Bush im Irak), all das führt zu einem Erwachen des Islam, erklärt uns Simpfendörfer. Daher bleibt den Muslimen nur noch die Waffe des kleinen Mannes: der Terrorismus, die Terroranschläge.

Der Bruch mit dem Westen und die Aufhebung der Trennung von Staat und Religion sind die Kennzeichen des islamischen Erwachens.

Laut Simpfendörfer nötigt uns diese moralische Rückbesinnung und Erneuerung des Islam Respekt ab und lässt uns unsere Freiheiten hinterfragen. Da wir uns weltweit gesehen und in unserem Land auf eine Koexistenz mit dem Islam einstellen müssen, sollten wir darauf aus sein, den Kampf der Kulturen in einen Dialog der Kulturen zu verwandeln. Der Westen müsse endlich aufhören, den islamischen Ländern mit Gewalt zu drohen und diese mit Gewalt zu überziehen (Afghanistan).

Simpfendörfer unterscheidet zwischen drei Islam-Richtungen:

  1. Volksislam, 2. Islamismus, 3. Dschihad-Islam (Bin Laden).

Anschließend finden Diskussionen in kleinen Gruppen, in denen die Fragen auf Zettel geschrieben werden, statt.

Auf eine Frage nach den drakonischen Strafmaßnahmen nach Sharia-Recht, die bei Ehebruch angewendet werden, erklärt Simpfendörfer, dass die Todesstrafe durch Steinigung bei begangenem Ehebruch, die eindeutig nur bei Frauen angewendet wird, in ganz seltenen Fällen vorkommt. (Er meint nur von Einzelfällen in Jemen und Nigeria gehört zu haben). Auch die Männer würden Strafen für Ehebruch bekommen - aber eben andere, wie Auspeitschung. „Aber das ist alles nicht so schlimm.“ hört man darauf hin Simpfendörfer sagen. Noch immer die Fassungslosigkeit über so viel Indifferenz verarbeitend, kann man gleich darauf die Zuschauer wohlwollend dem Referenten für seinen Vortrag applaudieren hören.

Zwei sehr gute neue Bücher


Genau vor einer Woche ist Necla Keleks neues Buch Himmelsreise - Mein Streit mit den Wächtern des Islam erschienen. Es ist, wie ihre drei vorherigen für ein breiteres Lesepublikum, sehr gut und hoch informativ geworden.

Man lernt nicht nur sehr viel Neues über die Situation von Muslimen in Deutschand, es gibt auch einen Schnellkurs zur Einführung in die islamische Überlieferung, man erfährt einiges über die Islamverbände und vor allem äußert sie sich zu den Ereignissen der letzen Zeit rund um den Islam.

Das Buch sei jedem, der mehr über den Islam erfahren will, wärmstens ans Herz gelegt. Ein Auszug aus ihrem neuen Buch ist übrigens in der WELT vom 13. März erschienen.

Ein weiteres herausragendes Buch zum Thema Islam, das bereits am 27. Januar erschienen ist, ist das Buch Terra Islamica - Auf der Suche nach der Welt meines Vaters (Stranger to History: A Son's Journey Through Islamic Lands) von Aatish Taseer.

Ein junger Journalist, der in Indien bei seiner Mutter aus der Religionsgemeinschaft der Sikh aufgewachsen ist, macht sich auf die Suche nach seinem muslimischen Vater, der in Pakistan lebt. Um seinen Vater und das Nachbarland Pakistan besser verstehen zu lernen, macht er eine achtmonatige Reise durch die islamische Welt, von der Türkei über Syrien, Saudi-Arabien und Iran nach Pakistan.

Er will auf diese Weise sein muslimisches Erbe erkunden und gleichzeitig seinem Vater näher kommen. Sein sensibler Bericht gehört zur ganz großen Reiseliteratur und ist zu Recht mit Naipauls Islamischer Reise (Among the Believers: An Islamic Journey) und Jenseits des Glaubens (Beyond Belief: Islamic Excursions among the Converted Peoples ) verglichen worden. Auch dieses Buch kann ich nur jedem empfehlen!

Montag, 15. März 2010

Mit Toleranz wird gar nichts gut

Wenn man die Leserbriefe im Reutlinger General-Anzeiger vom 13.03.10 liest, fragt man sich, ob der GEA in Sachen "Dialog" wirklich neutral ist.

Ganz oben bei den Leserbriefen in der Druckausgabe des GEA vom 13.03.10 finden wir den Leserbrief eines Herrn Mesut Demirezen, der sich darüber auslässt, wie Christen aus einer Freikirche die Dialogveranstaltungen torpedieren, keine Gesprächskultur haben und nichts von Nächstenliebe verstehen. Lesen Sie: „Auch unter Christen extreme Strömungen“.

Darunter kommt, als wolle man damit Neutralität beweisen, ein bereits vor drei Wochen abgesandter Leserbrief des früheren Pfarrers der Christuskirche, Ernst-Ullrich Schmidt. „Klarheit über ideologisch-politischen Hintergrund“, den er als Antwort auf den Leserbrief von M. Stelzle vom 20.02.10 verfasst hatte.

Ganz deutlich wird von Herrn Pfarrer Schmidt nach den Hintergrund-Aktivitäten der Türkischen Gemeinschaft Org. RT e.V. in der Gminderstraße (neben der Christuskirche) gefragt. Er weist in diesem Zusammenhang auf die Verbindung dieses Vereins zur türkischen extrem-nationalistischen, antisemitischen MHP-Partei, bzw. der Grauen Wölfe hin.

Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Unterzeichner des obigen, bereits erwähnten Leserbriefes, Herr Demirezen, der Sprecher genau dieses Vereins TGO e.V. ist, obwohl er sich hier als außenstehender Beobachter des Dialogs und neutraler Leserbriefschreiber ausgibt. (Homepage der TGO e.V.)

Loben muss man den GEA dafür, dass auf Seite 3 ein groß aufgemachtes Interview mit der Islamkritikerin Necla Kelek erscheint. „Mit Toleranz wird gar nichts gut“ Echt lesenswert!

Samstag, 6. März 2010

Ein dilettantischer Vortrag


Der Vortrag "Aufklärung, ist es das, was dem Islam fehlt?" am 1. März in der Reihe der „Dialog“-Veranstaltungen des Arbeitskreises christlicher Kirchen in Reutlingen war leider inhaltlich so schlecht, dass es schwer ist, sich damit auseinanderzusetzen. Der Referent beleuchtete das Thema, ohne ein Mindestmaß an Sachkenntnissen über Geschichte und Struktur des Islam und des Christentums, und es ist schwer, zu entscheiden, ob das, was gesagt worden ist, nur Unwissenheit und Unfähigkeit geschuldet ist, oder ob die getroffenen Aussagen wirklich so gewollt waren.

Ein schlechtes Licht wirft solch ein Vortrag natürlich auf die Veranstalter, den ACK Reutlingen und die Evangelische Bildung Reutlingen. Haben sie nicht gemerkt, dass der Mann keine Ahnung hat, weil sie selbst keine Ahnung vom Islam haben, oder kommt es gar nicht auf Sachkenntnis an, sondern nur auf die gewünschte islamfreundliche Gesinnung?

Im Vortrag ging es am Rande auch um die Christologie der orientalischen Kirchen. Die veranstaltenden Pfarrer, die ja alle Theologie studiert haben, müssten ja, auch wenn sie vom Islam keine Ahnung haben, bei diesem Thema gemerkt haben, das es dem Vortragenden an Fachwissen fehlt, beim Islam übrigens noch mehr als beim Christentum.

Mehr noch als mangelnde Qualität des Vortrags hat bei dieser Veranstaltung aber die Art der Organisation des „Dialogs“ verärgert. Um kritische Fragen über den Islam oder das Hinterfragen des Wahrheitsgehaltes der Ausführungen des Referenten von vornherein zu unterdrücken, wurde folgendermaßen verfahren: man ließ das Publikum Kleingruppen im Saal bilden, einen auserwählten Leiter die Fragen und Bemerkungen aufschreiben und alle Aufschriebe beim Moderator des Abends, Frieder Leube, abgeben. Dort wurden dann nur wenige ausgewählte Fragen dem Referenten zur Beantwortung vorgelesen. Komplexere Fragen wurden auch so gekürzt, dass kritische Aspekte unter den Tisch fielen, etliche weitere wurden ganz unterschlagen.

Man traut sich also nicht mehr, direkte Fragen zuzulassen, es könnten ja Themen angesprochen werden, die den Islam in keinem guten Licht erscheinen lassen.

Dank rigider Kontrolle, die jede abweichende Meinung unterdrückt, wäre so beinahe eine Veranstaltung in der gewollt einseitigen Sichtweise entstanden, wäre da nicht ein Besucher gewesen, der anderen jeweils ein Blatt übergab, auf dem zwei Artikel aus diesem Block abgedruckt waren. Pfarrer Ebertshäuser verbot diesen letzen Rest einer freien Auseinandersetzung mit dem Thema Islam in dem Moment, als er das Ganze bemerkte. Dummerweise waren da aber schon die meisten Zettel verteilt.

Sonntag, 28. Februar 2010

Die gestörte Wahrnehmung der Reutlinger „Dialog“-Pfarrer

Gastbeitrag von Piramirim:

Die Gruppe von Reutlinger Pfarrern und Pfarrerinnen, die momentan in mehreren Veranstaltungen den öffentlichen „Dialog“ mit Muslimen führen will, gibt an, dass sie Muslime „wahrnehmen“ wolle.

Ganz abgesehen davon, dass die Wahrnehmung zu einem erheblichen Teil darauf beruht, das man sich willig täuschen lässt, zeigt ein anderer Aspekt, dass die Wahrnehmung dieser Pfarrer völlig gestört ist: Diejenigen, die dieser Art von Dialog kritisch gegenüberstehen, werden nicht als dass gesehen, was sie sind, nämlich ganz unterschiedliche Menschen, die aus den verschiedensten Blickrichtungen vor allem den orthodoxen Islam kritisieren.

Sondern es wurden regelrechte Verschwörungstheorien entwickelt und verbreitet, die besagen, dass alle kritisch fragenden Zuhörer angeblich zu einer örtlichen christlichen Gemeinde gehören, die diese Leute auch ausgesandt habe, um den Dialog zu unterwandern.

In einer Resolution wendet man sich gegen „Gruppen und Personen, die einen offenen Dialog bekämpfen“ und unterstellt damit allen kritischen Anwesenden, genau dies zu tun.

Das trifft jedoch keineswegs zu. Die Bürgerbewegung Pax Europa hat bereits in Reutlingen eine Dialogveranstaltung zum Thema Islam durchgeführt und plant bereits weitere. Damals haben „Dialog“-Pfarrer der BPE-Gruppe die Räume in der Christuskirche verweigert.

Die damalige Veranstaltung ist übrigens im Internet dokumentiert und kann hier abgerufen werden.

Auch bezichtigen die Mitglieder der Bürgerbewegung Pax Europa keineswegs Muslime von vorne herein der Lüge und der Täuschung, sondern bilden sich in jedem Fall ein differenziertes Urteil.

In der Veranstaltung mit Muhammad Sven Kalisch hat man dessen ehrliche Herangehensweise gesehen und wohlwollend kommentiert, siehe hier.

Auch ist die aufrichtige Haltung von Muslime wie Bassam Tibi ist von kritischen Fragenden in den bisherigen „Dialog“-Veranstaltungen stets hervorgehoben worden. Auch andere Muslime, wie Necla Kelek, Seyran Ateş, Cerap Cileli und Zafer Şenocak werden nicht der Lüge geziehen.

Nachdem man mit der bisherigen „Dialog“-Linie, die keine ehrliche Auseinandersetzung zulässt, gescheitert ist, phantasiert man sich man sich einen Gegner herbei, den man nach Kräften zu dämonisieren sucht.

Nicht eingestehen will man sich, dass mittlerweile eine Mehrheit der Bevölkerung sehr islamkritisch eingestellt ist, dies jedoch aufgrund der Hetzkampagnen in den Medien, die Islamkritiker pauschal als „Rassisten“, „Rechte“, „Islamophobiker“ und „fundamentalische Christen“ verteufeln, meist nicht öffentlich zu äußern wagt.

Die Abstimmung über Minarette in der Schweiz hat diese mehr als deutlich gemacht. Auch diverse Meinungsumfragen zu den Äußerungen von Thilo Sarrazin haben dies gezeigt.

Schon bei einer Allensbach-Umfrage im Jahre 2004, die in der FAZ veröffentlicht wurde, haben von den Befragten mit dem Islam assoziiert: Unterdrückung der Frau 93%, Terror 83%, fanatisch/radikal 82%, gefährlich 70%, rückwärtsgewandt 66%.

Die „Dialog“-Pfarrer zeichnen sich durch eine hochgradige Realitätsblindheit aus. Sie nehmen weder Muslime noch Islamkritiker wirklich wahr, sondern zeigen sich völlig in ihren eigenen, verqueren Vorstellungen gefangen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Was den Vortrag von Hussein Hamdan so ärgerlich und verletzend macht.

Gastbeitrag von Piramirim:

Der Vortrag vom Hussein Hamdan folgte ganz klar der Linie anderer Vorträge zum Thema Islam, die nur auf die Irreführung eines mehr oder minder ahnungslosen Publikums abzielen.

Was der Referent vorstellt, ist im besten Fall seine ganz persönliche Interpretation des Islams, die er jedoch als „den Islam“ schlechthin ausgibt. Deshalb vermeidet er auch klarzustellen, von welcher Islamform er eigentlich spricht.

Aus diesem Grunde gibt er auch nicht an, welchen islamischen Hintergrund er hat bzw. welcher Islamform er angehört. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die von ihm vorgestellte Islamform nichts weiter ist, als ein Produkt zur Täuschung des Publikums, zu der er in einem islamischen Kontext niemals stehen würde, da dieser Phantasie-Islam den orthodoxen Vorstellungen, wie sie beispielsweise die Mehrheit der libanesischen Schiiten vertritt, diametral entgegengesetzt ist. Auch erspart er sich durch seine Geheimhaltung die Frage nach der schiitischen Praxis der Taqiyya.

Der ganze Aufbau des Vortrages, der fast nur einseitig von tatsächlichen oder vermeintlichen positiven Aspekten des Islams berichtet, und alles Unschöne weglässt, zeigt, dass es dem Referenten nicht auf Redlichkeit ankommt, sondern allein auf Manipulation und Täuschung.

In diesen Zusammenhang passt auch die Konzentration auf theologische Fragen, die keinen Einfluss auf das Zusammenleben haben und eine Vermeidung von Fragen, etwa nach dem Status von Nichtmuslimen im islamischen Recht, oder der Regelungen zur Bekämpfung von Nichtmuslimen.

Mit der Aussage, beim Koranspruch „kein Zwang im Glauben“, handle es sich um einen Grundsatz im Islam, überschreitet der Referent ganz deutlich die Linie, die ihn von einem seriösen Vortrag trennt.

Solche Aussagen, angesichts der unzähligen Opfer der Verfolgung religiöser Minderheiten im Islam, empören und sind eine klare Verhöhnung der Opfer.

Dass ein Mann aus dem Nahen Osten, der vom Islam zum Christentum übergetreten ist und deswegen einer Unzahl von Drangsalen ausgesetzt ist, darüber seine Beherrschung verliert, ist mehr als verständlich.

Ebenso ist der Vorwurf an Juden und Christen, sie hätten ihre heiligen Schriften verfälscht, für sensible gläubige Gemüter ein sehr harter Brocken und führt zu entsprechenden Reaktionen.

Ganz in den manipulativen Charakter des Vortrags passt dann auch, dass eine wirkliche Diskussion über all dies, wo immer möglich, unterdrückt wird, denn die freie Gegenrede ist der größte Feind aller Lügen und wird deshalb möglichst erstickt.

Unsere Medien sind durch ein unheilige Allianz von linken Gutmenschen und scheinheiligen Pfarrern und Kirchenvertretern, die oftmals nicht mehr zu dem Grundlagen des christlichen Glaubens stehen, geprägt.

Islamkritiker werden entweder als fundamentalistische Christen oder Rechtsradikale verunglimpft und wo immer möglich ausgegrenzt und stigmatisiert, ja sogar, wo diese Kritiker nicht so einfach mundtot zu machen sind, gemobbt und bedroht.

All das verbittert immer weitere Teile der Bevölkerung gegenüber dem Islam und den Muslimen. Zunehmend richtet sich die Wut jedoch auch gegen die Steigbügelhalter der Islamisierung in Kirchen, Medien, Politik, Universitäten, Kunst und Gewerkschaften.

Die Wahlergebnisse in den Niederlanden (Wilders), Österreich (FPÖ, BZÖ) und der Schweiz (SVP), sowie in anderen europäischen Ländern sind Ausdruck dieser wachsenden Wut.

Mit jeder weiteren „Dialog“-Veranstaltung nach dem Muster des jetzigen Reutlinger Dialogs des ACK fördert man bei uns eine politische Entwicklung wie in den oben genannten Ländern.

Ein Vortrag von Hussein Hamdan


Hier der Bericht über den Vortrag von Hussein Hamdan vom 22. Februar im Matthäus-Alber-Haus in Reutlingen im Rahmen der Reihe "Christen und Muslime im Dialog - vier Begegnungen mit dem Islam" von der Evangelischen Bildung in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.

Es handelt sich im wesentlichen um ein Gedächtnisprotokoll, das auf einigen wenigen Notzien beruht:

Der Vortrag sollte in einem relativ kleinen Raum stattfinden, der jedoch bald bis zum letzten Platz belegt war, so dass Leute sogar entlang der Wände und etwa fünfzehn weitere außerhalb des Raumes im Flur standen. Es wurde jedoch angekündigt, dass bald ein größerer Raum zur Verfügung stehen werde und nach etwa zwanzig Minuten Vortrag gab es eine Pause, nach der man in einen größeren Saal umzog.

Nach einleitenden Worten durch Frieder Leube vom Evangelischen Bildungswerk stellte Hussein Hamdan sich vor: Er ist 31 Jahre alt und kam 1986, als er sieben Jahre alt war, mit seiner Familie als Flüchtling vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland.

Er studierte Islamwissenschaft und Religionswissenschaft in Tübingen und macht dort gerade seinen Doktor über das Thema Dialog zwischen dem Vatikan und der al-Azhar-Universität.

Er arbeitet in verschiedenen Dialog-Projekte mit, darunter beim amerikanisch-arabischen Dialog im DAI.

Bevor im Rahmen der Islamwissenschaft arabisch gelernt hat, habe er besser deutsch als arabisch gesprochen.

Als er mit seinem Vortrag anfing, breitete sich eine fast andächtige Stille aus, man lauschte.

Er begann seinen Vortrag in dem er auf die vielen Übereinstimmungen zwischen Christentum und Islam hinwies, er betonte aber auch dass es wichtige Unterschiede gebe. Schon bald las ein längeres Stück aus der Sure 19 (Maryam), in dem die Geburt Jesu geschildert werde.

Der Name Jesus komme im Koran sehr oft vor, nämlich 93 mal vor, wobei die Form Jesus Sohn der Maria häufig sei. Der Gott der Muslime sei der gleiche Gott wie der Gott der Bibel.

Was den Islam auszeichne, sei absoluter Monotheismus. Er zitierte den Koranvers 4:171: „Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüberbrachte, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten. Und sagt nicht: Drei.“

Laut Koran wurde Jesus nicht getötet und er starb auch nicht am Kreuz. Hamdan las das entsprechende Stück aus dem Koran vor, wobei er von Jesus im Koran als „Messias“ sprach.

Dann zitierte er Professor Josef van Ess, der sagte, der Islam absurd, vieles müsse man glauben ohne es rational nachvollziehen zu können.

Er zitierte eine Teil von Vers 46 aus Sure 29: „Und streitet mit den Leuten der Schrift nie anders als auf eine möglichst schöne Weise“ worin er einen Dialogauftrag sieht.

Dann ziterte er Sure 49:13: „Ihr Menschen! Wir haben euch geschaffen von einem männlichen und einem weiblichen Wesen und wir haben euch in Völkern und Stämmen geschaffen, damit ihr euch untereinander kennt.“ Er sieht darin einen "internationalen" Dialogauftrag.

Er zitierte des weiteren einen Vers aus Sure 21, in dem eine Einladung an alle miteinander zu reden enthalten sei.

„Kein Zwang in Glauben“, ein koranischer Spruch, sei ein Grundsatz im Islam, wobei tatsächlichen ausgeübter Zwang der in der islamischen Geschichte eine Verletzung der Norm gewesen sei.

Darauf erfolgte ein Zwischenruf aus dem Publikum, dass der Satz „Kein Zwang in Glauben“ niemals ein Grundsatz des islamischen Rechts gewesen sei, worauf Hamdan jedoch nicht einging

Hamdan behauptete weiter, die islamische Eroberung in der Geschichte habe kein System gehabt und die Menschen wurden nicht zwangsbekehrt.

Viele Juden hätten sich freiwillig dem Islam zugewandt. Nicht-muslimische Wissenschaftler hätten dies bestätigt. Die Menschen unter islamischer Herrschaft, die die Dschizya zahlten, waren Schutzbefohlene und man hatte "Schutzverträge" mit ihnen ausgehandelt. Unter diesen Verträgen ging es ihnen gut und sie wurden nicht verfolgt.

Er führte die Zeit unter den Abbasiden seit 750 an, sowie die Zeit in Spanien, wo man Respekt gegenüber Christen gehabt hätte.

Man müsse bei allen Koran-Suren unterscheiden, ob die Sure einen historischen Charakter, einen handlungsweisenden Charakter oder einen ewigen Charakter habe. Das führt er allerdings nicht weiter aus.

Es gebe im Islam den Vorwurf der Fälschung von Thora und Evangelium, wobei aber völlig unklar sei, was das genau bedeute und deshalb würde das auch ganz unterschiedlich gesehen. Er zitierte Sure 61:6.

Er zitierte Sure 9:29, sagte aber, dass man Verse im Zusammenhang sehen muss und dass nicht klar sei, ob dieser Vers nur für eine bestimmte Situation geoffenbart worden sei, oder ob er ewig gültig sei.

Er erwähnte einen „Vertrag von Jerusalem“, der bei der Besetzung Jerusalem im Zuge der frühislamischen Eroberungen geschlossen worden sei und den Schriftbesitzern sehr gute Bedingen gewährt habe.

Er erwähnte die Bedingengen Omars, die aber auf Betreiben der Schriftbesitzer geschlossen worden seinen, wobei diese sich verpflichteten keine neuen Kirchen zu bauen usw. und sich so angeblich selbst die Rechte nahmen. Wieso die Schriftbesitzer solch einen für sie nachteiligen Vertrag abgeschlossen haben, sei völlig unklar.Es habe keine Zwangsbekehrungen gegeben.

Er kam auf den Dialog zwischen dem Kalifen al-Mahdi, dem vierten (sic!) abbasidischen Kalifen, und dem Patriarchen Timotheus aus dem Jahre 781 zu sprechen: hier wurden im Dialog Bibeltexte auf Mohammed interpretiert. Johannes 16, 14 - "Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit." - das Wort für Tröster parakletos wurde von in perikletos, was Gelobter heißt, umgewandelt. Gelobter heiße auf arabisch Ahmad, was das gleiche sei wie Muhammad.

Er sprach noch vom Kalifen Ma'mun, der einen sehr freien Dialog mit Theodor Abu-Qurra geführt habe, was die liberale Atmosphäre zeige. Der Kalif sei so großzügig und tolerant gewesen sei, dass er den Andersgläubigen Geschenke gemacht habe und ihre Meinung akzeptiert habe. Insgesamt wird der Islam als durch und durch tolerant dargestellt.

Während des Teils, in dem er über die Toleranz im Islam sprach, wirkte Hussein Hamdan offensichtlich nervös und räusperte sich ständig.

Als letztes folgte ein Teil, in dem er seine Vorwürfe gegen die Nichtmuslime vortrug. Bei diesem Teil war er sichtlich in seinem Element und brachte seine Argumente flüssig und mit viel Selbstvertrauen vor.

So berichtete er, welch eine Zumutung es gewesen sei, dass er sich ständig von den Attentätern des 11. September habe distanzieren müssen, obwohl er ja nicht da geringste mit diesen zu tun habe.

Auch beklagte er sich, dass er nicht in Kirchen eingeladen worden sei und die Christen somit ihren Teil des Dialog nicht erfüllt hätten.

Die Christen würden ausweichen, wenn die Muslime im Dialog ihnen vorhalten, dass gewalttätige Passagen im Alten Testament vorkommen, indem sie sagen: Das ist das AT wir glauben aber an das Neue Testament.

Die Christen, aber auch die Deutschen, hätten eine schlechte Dialogkultur, weil sie negativgegenüber Muslimen eingestellt seien und Vorurteile hätten.

Der Sinn des Dialogs sei: 1. Sich kennenzulernen, 2. Vorurteile abzubauen, 3. gemeinsam gegen Krieg und Terror zu protestieren, 4. Gemeinsame Verantwortung für die Gesellschaft zu tragen

Hamdan sieht im Vater unser das Äquivalent zur Eröffnungssure "al-Fatiha" im islamischen Glauben. Er berichtete über Vorschläge für ein gemeinsames Gebet zwischen Christen und Muslimen. Die Christen hätten keine Probleme mit der Eröffnungssure. Wenn die Christen jedoch "Vater unser im Himmel“ beten, könnten Muslime dies nicht mitbeten, da "Vater" zu Allah zu sagen, für sie Blasphemie wäre. Man solle aber ein wenig flexibel sein und beten: "Gott unser im Himmel". So sei ein gemeinsames Gebet doch möglich.

Dann folgte die Diskussionsunde: Ein südländisch wirkender Mann, der später sagte, dass er früher selbst einmal Muslim gewesen sei, fragte wie ein Dialog auf Augenhöhe stattfinden könne, wovon Hamdan ja ständig sprach, wenn im Koran über 200 Mal zum Widerstand und Kampf gegen die Ungläubigen, sprich die Juden und Christen, aufgefordert wird, wenn die Ungläubigen als "Affen und Schweine" betrachtet und gedemütigt werden?

Der Fragesteller sagte weiter: Die al-Fatiha, die mehrmals täglich als Gebet gesprochen wird, beinhalte doch die Ablehnung, ja die Ausschließung der Ungläubigen (Juden und Christen) und dass sie diese Irrenden seien. " Den Pfad derer, denen Du gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst (die Juden), und nicht der Irrenden (die Christen)."

Darüber hinaus sei der Referent, ein Muslim, der beim Ökumenischen Referat in Tübingen, alsso bei der Uni, angestellt sei und dort den christlich-muslimischen Dialog organisiere, aus wissenschaftlicher Sicht eigentlich gar nichts gewusst.Hamdan habe ständig gesagt: "das ist alles Interpretation, das kann man nicht so sagen, das sind falsche Übersetzungen, das wurde nur für eine bestimmte Zeit geschrieben". Außer, dass er den Christen riet, sie sollen im Dialog offener und toleranter sein und ihren Horizont erweitern, dann gebe es auch Frieden.

Hier kam eine Frage von einen der Mitveranstalter an Hamdan darüber, wie man heilige Schriften interpretiert.

Ein älterer weißhaariger Mann bringt zu der Behauptung, die Christen hätten die Bibel verfälscht folgendes Beispiel: „Wenn Sie einen Rembrandt an der Wand hängen haben, das der Meister selbst gemalt hat, behaupten Sie dann auch, Rembrandt hätte zuerst eine Fälschung angefertigt?“ Wie Hamdan zu seiner Behauptung komme? Hamdan weiß darauf keine Antwort, als dass dies von anderen behauptet wurde.

Ein Fragender weist auf eine Vortrag vom Bassam Tibi mit dem Titel „Selig sind die Belogenen“ und sagt es fehle fast immer die Redlichkeit im Dialog. Es werde meist von muslimischer Seite getäuscht und die christliche lasse sich willig täuschen. Darüber hinaus bemängelt er dass Hussein Hamdan nie sagt von welchen Islam er spreche. Als Student der Islamwissenschaft lerne man bereits in den ersten Semestern, dass es den Islam nicht geben, und man stets angeben müsse von welchem Islam man spreche. Warum Hamdan diesen Grundsatz nicht befolge.

Des weiteren wollte dieser Fragende wissen, warum Hamdan nicht auf islamische Rechtskonzepte Konzepte wie dar al-islam und dar al-harb oder dhimmi und harbi eingegangen sei, da diese ja die Stellung von Nichtmuslime entscheidend prägen, wodurch man keineswegs von Augenhöhe beim Dialog ausgehen könne, wovon Hamdan ja des Öfteren sprach.

Hamdan antwortet darauf, das dies nur ein Einführungsvortrag sei, bei dem man derart komplizierte Dinge nicht ausführen könne.

Zum Schluss stand eine Frau auf und sagte sehr emotional, dass es ihr so weh tue, dass Jesus hier verleugnet und lächerlich gemacht werde. Daraufhin wurde sie regelrecht ausgebuht und beschimpft. Es gab fast Tumulte. Die Frau war mit den Nerven völlig fertig. Nach der Veranstaltung sagt sei in einem privaten Gespräch, sie komme nicht mehr, sie halte das psychisch nicht durch.

Nach Ende der Veranstaltung wurden noch etliche Einzelgespräche geführt. Auf die mehrmalige Frage an Hussein Hamdan, welchen islamischen Hintergrund er genau habe, welcher Islamform er denn angehöre, verweigerte Hamdan konsequent die Antwort. Es sage nur, dass er Muslim sei, mehr sage er nicht, worauf der Fragende sagte, es sähe so aus, als sei er Zwölferschiit, was die Verweigerung verständlich mache, da Taqiyya ja ein wichtiges Glaubensprinzip der Schiiten sei.